gehoertundgesehen

10. Februar 2012

Das Gehirn ist eine ontologische Maschine | Telepolis

[Reinhard Jellen 10.02.2012 – telopolis]

Der Philosoph Thomas Metzinger ist Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Mainz und versucht, zwischen den Sphären der Geisteswissenschaft und der Gehirnforschung zu vermitteln. In seinem Buch „Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik“ greift er hierfür auf das Theorem des „Selbstmodells“ zurück, das – mit den branchenüblichen Simplifizierungen bedacht – für einen beachtlichen Wirbel in den Medien gesorgt hat und Gegenstand hitziger Diskussionen geworden ist, die bisweilen der Sache selbst nicht gerecht werden.

Herr Metzinger, übertragen Sie mit ihrer Theorie Ergebnisse aus der Hirnforschung ganz einfach auf das Feld der Philosophie und verabsolutieren sie damit?
Thomas Metzinger: Das wäre natürlich ein schwerer Fehler und ist für manche auch eine Versuchung. Mir geht es aber eigentlich um etwas wesentlich Einfacheres und Bescheideneres, nämlich eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Philosophie des Geistes und der Gehirnforschung zu organisieren. Dazu muss man neue begriffliche Werkzeuge entwickeln, die beide Disziplinen gleichzeitig voranbringen.Man muss heutzutage als Philosoph empirische Auflagen für die Theoriebildung akzeptieren. Das heißt: Wenn man sich wirklich für die Probleme der klassischen Philosophie wie Intentionalität, Willensfreiheit oder Bewusstsein interessiert, sollte man auch empirisch informiert sein, weil vieles, was Philosophen in der Vergangenheit geschrieben haben, angesichts neuer empirischer Befunde nicht mehr haltbar ist. Auf der anderen Seite denke ich, dass für Neurowissenschaftler, wenn sie allgemeinere Aussagen über Geist, Bewusstsein oder das Selbst machen wollen, eine kritische philosophische Begleitung wichtig ist. Daten müssen begrifflich interpretiert und irgendwann auch in einen allgemeineren theoretischen Rahmen eingebettet werden. Für mich ist Philosophie Begriffswissenschaft: …

via Das Gehirn ist eine ontologische Maschine | Telepolis.

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